Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus

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Warum wir die Wiener Jugend unterstützen

Dr. Wolfgang Hattmannsdorfer
„Österreich wird den Fachkräftemangel nicht wegdiskutieren können. Wir müssen die Fachkräfte, die unsere Betriebe morgen brauchen, heute ausbilden. Deshalb machen wir die Lehre moderner, praxisnäher und schaffen echte Aufstiegschancen. Wer sich für eine Lehre entscheidet, entscheidet sich für einen Karriereweg in die Zukunft.“
Dr. Wolfgang Hattmannsdorfer · Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus
Artikel

Die Lehre ist ein Karriereweg mit Zukunft

Pensionierungswelle, Fachkräftemangel und technologischer Wandel setzen Österreichs Betriebe unter Druck. Die Bundesregierung will deshalb die Lehrausbildung stärker auf Zukunftstechnologien ausrichten. Sie spielt auch eine wichtige Rolle in der Industriestrategie 2035.

Österreich steht vor einer der größten Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der Menschen im Erwerbsalter hat 2024 mit 5,57 Millionen ihren Höchststand erreicht und dürfte bis 2040 um rund 256.000 Personen sinken. Gleichzeitig geht auch die Zahl der Lehrlinge zurück: Ende 2025 befanden sich österreichweit 102.878 Lehrlinge in Ausbildung – um 3,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Fachkräfte in der heimischen Wirtschaft werden zunehmend zu einer Standortfrage. Besonders für produzierende Unternehmen wird die Frage, ob ausreichend qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügbar sind, damit zu einem entscheidenden Faktor für künftige Investitionen.

Genau hier setzt auch die Industriestrategie 2035 an. Sie ist ein zentrales wirtschaftspolitisches Vorhaben von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und verfolgt das Ziel, produzierende Betriebe langfristig in Österreich zu halten, die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts zu stärken und damit Arbeitsplätze abzusichern.

Ein wesentlicher Baustein ist der geplante Lehrberufsfokus auf Schlüsseltechnologien. „Die Lehre ist kein Plan B, sondern ein Karriereweg für die Zukunft“, hielt Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer im Zuge der Präsentation der Industriestrategie fest. Bis 2035 soll daher nach Möglichkeit für jede Schlüsseltechnologie zumindest ein neuer Lehrberuf etabliert werden. Im Mittelpunkt stehen insbesondere Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Industrieinnovation. „Damit soll die Ausbildung gezielter auf jene Qualifikationen ausgerichtet werden, die Industriebetriebe in den kommenden Jahren benötigen“, so Hattmannsdorfer weiter. Erste Schritte in diese Richtung wurden bereits gesetzt. Mit dem Lehrberufspaket 1/2026 wurden 14 Lehrberufe modernisiert und stärker an die Anforderungen der betrieblichen Praxis angepasst. Der Ansatz dahinter: Ausbildungsordnungen sollen sich nicht daran orientieren, welche Fähigkeiten in einem Beruf vor zehn Jahren gefragt waren, sondern daran, welche Kompetenzen Unternehmen heute und in Zukunft benötigen.

Dass diese Aufstiegsmöglichkeiten genutzt werden, zeigt etwa das Konditorenhandwerk. Dort wurden 2025 insgesamt 112 Meisterprüfungen erfolgreich abgeschlossen, rund 18 Prozent mehr als im Jahr davor. Die Meisterprüfung ist im Nationalen Qualifikationsrahmen auf Stufe 6 eingeordnet. Das bedeutet, sie ist wie ein Bachelorabschluss einzustufen. Meisterinnen und Meister können zudem selbst Betriebe gründen und Lehrlinge ausbilden. „Österreichs Jugend braucht klare Perspektiven: Ich will, dass in Österreich ein Aufstiegsversprechen gilt und sich junge Menschen durch Fleiß und Einsatz etwas aufbauen können“, merkt der Wirtschaftsminister am Rande eines Austauschs mit Lehrlingen an. Die Bundesregierung würde daher entsprechende Maßnahmen umsetzen und vorantreiben, hält der Politiker weiter fest.

Eine weitere Rolle spielt die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung. Mit der „Lehre mit Matura“ können sich Lehrlinge kostenlos auf die Berufsreifeprüfung vorbereiten und sich damit weitere Bildungswege offenhalten. Dafür werden zusätzlich zehn Millionen Euro bereitgestellt.

„Österreich wird den Fachkräftemangel nicht wegdiskutieren können. Wir müssen die Fachkräfte, die unsere Betriebe morgen brauchen, heute ausbilden. Deshalb machen wir die Lehre moderner, praxisnäher und schaffen echte Aufstiegschancen. Wer sich für eine Lehre entscheidet, entscheidet sich für einen Karriereweg in die Zukunft.“ (Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer)

Die Industriestrategie 2035 verbindet deshalb Industrie- und Ausbildungspolitik enger miteinander. Moderne Lehrberufe in Schlüsseltechnologien sollen jungen Menschen neue berufliche Perspektiven eröffnen und gleichzeitig dazu beitragen, den Fachkräftebedarf der Unternehmen zu decken.

Fotos: © BMWET/Holey

Lehre Werkstatt Hattmannsdorfer 2
Lehre Post Hattmannsdorfer
Interview

Im Interview

Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer über moderne Lehrberufe, neue Technologien und die Chancen, die eine Lehre heute bietet

Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer mit Lehrlingen in einer Werkstatt

© BMWET/Holey

Herr Bundesminister, warum ist die Lehre für Österreichs Zukunft so wichtig?

Die Lehre ist ein österreichisches Erfolgsmodell und eine zentrale Säule der Fachkräfteausbildung. Gleichzeitig stehen wir vor einer großen Herausforderung. Ende 2025 waren österreichweit 102.878 Lehrlinge in Ausbildung, um 3,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Unsere Wirtschaft braucht aber mehr gut ausgebildete Fachkräfte. Deshalb müssen wir die Lehre wieder stärker ins Zentrum rücken und dafür sorgen, dass junge Menschen genau jene Fähigkeiten erwerben, die morgen gebraucht werden. Eine starke Lehre sichert damit Fachkräfte, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit.

Viele Jugendliche fragen sich bei der Berufswahl: Ist eine Lehre wirklich ein guter Weg für meine Zukunft?

Ganz klar: Ja. Die Lehre ist kein Plan B, sondern ein Karriereweg mit Zukunft. Sie verbindet praktische Erfahrung im Betrieb mit fachlicher Ausbildung in der Berufsschule und eröffnet viele weitere Möglichkeiten. Der Weg kann von der beruflichen Weiterentwicklung über die Meisterprüfung bis zur Selbstständigkeit oder an die Spitze eines Betriebs führen. Eine Lehre kann also der Beginn einer sehr erfolgreichen Karriere sein. Mir ist es einfach wichtig, dass junge Menschen in Österreich ein Aufstiegsversprechen haben und wissen, dass sie sich durch Fleiß und Einsatz auch etwas aufbauen können.

Aber die Arbeitswelt verändert sich rasant. Wie kann die Lehre da mithalten?

Genau deshalb modernisieren wir die Lehrberufe laufend. Unsere Wirtschaft befindet sich mitten in einer Transformation. Digitalisierung, Automatisierung sowie neue Energie- und Mobilitätstechnologien verändern Berufe und Betriebe. Wir müssen deshalb Technologie, Produktion und Ausbildung gemeinsam denken. Lehrberufe sollen nicht nur den heutigen Anforderungen entsprechen, sondern junge Menschen auch auf die Arbeitswelt von morgen vorbereiten.

Was bedeutet das konkret für Jugendliche?

Es bedeutet, dass sich auch traditionelle Berufe verändern und neue Kompetenzen dazukommen. In der Fahrzeugtechnik spielen etwa Elektromobilität und Fahrerassistenzsysteme eine immer größere Rolle. In der Installations- und Energietechnik gewinnen Klima- und Automatisierungstechnik an Bedeutung. Auch in vielen anderen Berufen werden digitale Technologien und neue Arbeitsweisen integriert. Wir wollen, dass Jugendliche eine Ausbildung bekommen, die am Puls der Zeit ist und ihnen langfristig gute Chancen am Arbeitsmarkt bietet.

Sie haben zuletzt zahlreiche Lehrberufe modernisiert. Was steckt hinter dieser Offensive?

Wir überprüfen laufend, welche Qualifikationen am Arbeitsmarkt gebraucht werden, und entwickeln die Lehrberufe entsprechend weiter. Mit dem Lehrberufspaket 1/2026 haben wir 14 Lehrberufe modernisiert und stärker an der betrieblichen Praxis ausgerichtet. Dabei geht es nicht nur um neue Berufe, sondern vor allem darum, bestehende Berufsbilder an technologische und wirtschaftliche Entwicklungen anzupassen. Die Inhalte werden gemeinsam mit Fachleuten aus der Praxis und den Sozialpartnern entwickelt. So stellen wir sicher, dass gelernt und geprüft wird, was später im Betrieb tatsächlich gebraucht wird.

Wird die Lehre dadurch auch individueller?

Ja. Ein wichtiger Ansatz ist die Modularisierung. Sie ermöglicht es, Ausbildungswege flexibler zu gestalten und stärker auf betriebliche Anforderungen und persönliche Interessen einzugehen. Gerade weil sich Berufe und Technologien laufend weiterentwickeln, brauchen wir ein Ausbildungssystem, das flexibel genug ist, unterschiedliche Schwerpunkte und neue Qualifikationen aufzunehmen.

Und was passiert nach der Lehre? Ist dann die Ausbildung abgeschlossen?

Nein. Die Lehre ist kein Endpunkt, sondern kann der Anfang eines weiteren Bildungs- und Karriereweges sein. Die Meisterprüfung ist beispielsweise im Nationalen Qualifikationsrahmen auf Stufe 6 eingeordnet und damit so viel wert wie ein Bachelorabschluss. Dass dieser Weg angenommen wird, zeigt etwa das Konditorenhandwerk. 2025 wurden dort 112 Meisterprüfungen erfolgreich abgeschlossen, rund 18 Prozent mehr als im Jahr davor.

Gleichzeitig stärken wir die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung. Mit „Lehre mit Matura“ können sich Lehrlinge kostenlos auf die Berufsreifeprüfung vorbereiten. Dafür stehen zusätzlich 10 Millionen Euro zur Verfügung. Wichtig ist: Junge Menschen sollen keine Sackgassen vor sich haben, sondern möglichst viele Chancen.

Was würden Sie einem Jugendlichen sagen, der gerade vor der Entscheidung steht: Schule oder Lehre?

Die wichtigste Entscheidung ist, den Weg zu wählen, der zu den eigenen Interessen, Stärken und Zielen passt. Wer gerne praktisch arbeitet, Verantwortung übernimmt und früh Berufserfahrung sammeln möchte, findet in der Lehre hervorragende Möglichkeiten. Eine Lehre bedeutet keineswegs, dass danach alle Türen geschlossen sind. Im Gegenteil. Von der Meisterprüfung über die Selbstständigkeit bis zur weiterführenden Ausbildung stehen viele Wege offen. Entscheidend ist, den eigenen Weg zu finden und die Chancen zu nutzen, die er bietet.